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Boudha
Innerhalb des
Kathmandutals, innerhalb dieser Stadt
in den Anfängen des Himalaya gibt
es eine kleine, fast dörfliche buddhistische
Gemeinschaft, die sich mit fast 40 Klöstern
rund um den Bodhnath-Stupa gebildet hat.
Zwei Jahre,
nachdem ich das letzte Mal dort war sitze
ich hier an einem heißen Julitag
vor meinem Computer, und die schwül-feuchte
Hitze erinnert mich an Boudha.
Wenn ich die
Augen schließe, spüre ich diesen
Ort als Geruch.
Am Abend, kurz nachdem dort im Mai die
Sonne rasend schnell nach nur 20 Minuten
untergegangen ist und auf den Dachterrassen
die Sonnenschirme zusammengeklappt werden,
kehrt dort Ruhe ein. Was bleibt, ist der
Geruch.
Es riecht nach dem Staub der Pfade auf
denen den ganzen Tag die Pilger und Mönche
entlanggelaufen sind um die Gebetsmühlen
zu drehen, nach süßem Tee und
scharfen Gewürzen, nach Abwasser,
das achtlos vor den Häusern ausgeschüttet
wird, nach den Garküchen für
die Armen mit ihren Hirsegerichten, nach
den bemüht westlichen Pizzas, mit
asiatischem Käse und süßer
Hefe, nach all den leeren Flaschen Cola
mit ihren letzten Tropfen Inhalt, die
die Mönche in der heißen Mittagszeit
kichernd und schubsend am Verkaufsstand
tranken, es riecht nach alten verlausten
Hunden, die sich überall auf den
Wegen wie selbstverständlich und
durch nichts zu stören zum schlafen
niederlegen und dann der süßliche
Geruch der Metzgerstände, mit ihrem
Schlachtgut, das ab den frühen Morgenstunden
in der Sonne schwitzt, mit all den Fliegenschwärmen.
Es riecht auch
nach Weihrauch, viel Weihrauch und noch
mehr Räucherstäbchen, welken
Blumen und nach der schweren Hitze tausender
Butterlämpchen; und all diese verschiedenen
Gerüche bilden ein großes,
einheitliches Etwas, in den Abendstunden
voller Zwielicht am Stupa, wenn das Stimmengewirr
leiser wird und die Stimmung entspannter,
man hört dann noch vereinzeltes Lachen
herüberkommen aus der Novizenschule
schräg gegenüber, das kontinuierliche
Pling Pling der mannsgroßen Gebetsmühle
im Kloster nebenan, die behutsam angeschlagenen
Glocken im Stupa-Eingang, die allmählich
erwachenden Hunde, der entfernte Gesang
einer Puja, der für westliche Ohren
ewig gleiche Gesang der Hindu-Schlager
aus den Taxi-Radios und das Herumalbern
der gelangweilten Kellner im Gasthaus
vorn.
Es ist eigentümlich,
daß ein Geruch gleichzeitig so fremd
und doch so vertraut sein kann - und:
einen, einmal erlebt, nie wieder losläßt.
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