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Was mir wichtig ist
Am Anfang steht immer die Erwartung, dass ich mir durch das Erfinden
und Niederschreiben einer neuen Komödie selbst großen
Spaß verschaffe. Nichts ist unterhaltsamer, als Handlungsstränge
zu verstricken und zu entwirren sowie Personen zu kreieren. Rasch
kommt aber das Interesse am Stoff hinzu. Immer wieder beschäftigt
mich die Frage, wie das wunderschöne und grausame Leben funktioniert
und wo es hinsteuert; im Einzelnen, in der zwischenmenschlichen
Beziehung und in der Gesellschaft. Heraus kommen dann mal lyrisch-leise
Bühnen-Portraits, mal satirisch-kräftige Grotesken. Gemeinsam
ist allen, was mir wichtig ist: eine optimistische Grundstimmung
und ein verständnisvolles Augenzwinkern.
Neuerscheinung:
Der Mensch im Tier
Arbeitsbeispiele:
aus:
Siegfried und das klügere Geschlecht
Siegfried wohnt bei seinem Freund Haiko, weil ihn seine Freundin
Franziska rausgeworfen hat. Hannelore ist die Freundin davor.
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| Siegfried: |
Sag mal, ich meine es nur gut: Müsstest
du nicht allmählich gehn? |
| Haiko: |
Was ist denn los? |
| Siegfried vorsichtig: |
Es könnte nämlich sein, dass
Hannelore vorbei kommt. |
| Haiko entsetzt, unterbricht das Essen: |
Aha, so ist das! Hannelore! Ich dachte,
du hättest mit ihr abgeschlossen! |
| Siegfried: |
Habe ich ja auch! |
| Haiko: |
Und was will sie dann schon wieder hier?
Die hat nicht abgeschlossen, und sie läuft dir nach! |
| Siegried: |
Ich habe sie eingeladen - aus rein platonischen
Gründen. |
| Haiko: |
Du glaubst also immer noch an das Märchen
von der Freundschaft zwischen Mann und Frau! |
| Siegfried: |
Wirklich! Ich habe keine Absichten! |
| Haiko: |
Dann kommt sie in ihrer Eigenschaft als
Psychotante. |
| Siegfried: |
Ich will mit ihr was ausdiskutieren. Und
sie ist keine Psychotante, sie hat nur als Anwaltsgehilfin tiefe
Einblicke in menschliche Abgründe. |
| Haiko grundsätzlich: |
Siegfried, du weißt warum ich dich
hier bei mir aufgenommen habe?! |
| Siegfried kleinlaut: |
Ja. |
| Haiko: |
Du weißt, was du mir am Abend, da
du mit deinen Koffern hier aufgetaucht bist, versprochen hast?! |
| Siegfried kleinlaut: |
Ja. |
| Haiko: |
Wir haben ausgemacht, dass du ab jetzt
ein harter Bursche wirst! Dass du keiner Frau nachweinst, vorerst
keine feste Beziehung eingehst und möglichst viele Abenteuer
durchziehst. |
| Siegfried: |
Aber so bin ich nicht! Ich achte die Frauen! |
| Haiko aufgebracht: |
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
(Deutet Kopulation an.) Das sollst du mit ihnen machen! Du sollst
keine psychologischen Gespräche führen, und du sollst
auch nicht versuchen, sie zu verstehen! Vögeln sollst du
sie! Sonst nichts! Klar? |
| Siegfried: |
Ganz ehrlich, Haiko, du bist ein richtiges
Frauen-Arschloch. Aus der Perspektive einer Frau bist du ein
Arschloch - nur haben manche Frauen eine eingeschränkte
Sicht, und darauf basiert dein Erfolg! |
| Haiko: |
Und du, Siegfried, du bist ein Frauen-Idiot.
Aber das merken die Frauen sofort! Außer Hannelore. Und
Franziska - die hat etwas länger gebraucht, bis sie dich
rausgeworfen hat. |
| Siegfried: |
Die hat mich rausgeworfen, weil ich einmal
im Leben ein Frauen-Arschloch war. |
| Haiko: |
Ha! Dass ich nicht lache! Der Seitensprung
zurück zu Hannelore! |
| Siegfried: |
Ich wollte endlich mal wieder festen Boden
unter den Füßen haben. |
| Haiko: |
Sehr heldenhaft! Wo ist da die Tat eines
Frauen-Arschloches? Du warst eine Memme! Ein Feigling! Du warst
ein Frauen-Idiot! |
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aus: Zeitgenossen
Ludwig erklärt seine Philosophie von der Wichtigkeit des letzten
Eindrucks
Vor vielen Jahren starb
die Mutter eines alten Freundes -
aus einer alt-ehrwürdigen Familie.
Die Frau war bekannt
für ihre Lebensfreude,
für ihr freies Denken
und für diverse Liebeleien.
Die letzte Rede hielt ihr Bruder,
ein braver, weicher, makelloser Mann.
Er nützte die Gelegenheit,
die Schwester postum glatt zu hobeln;
so glatt,
dass sie die übrigen Verwandten
im Magen der Familientradition
bequem verdauen konnten.
Nach der Rede erklang der Lieblingsmarsch des Bruders,
der Grabstein wurde grau und bieder.
Es ist,
als hätte sie nie
ihr eigenes Leben gehabt:
die Lebensfreude abgesenkt,
das freie Denken eingesperrt,
die Amouren zu Fehltritten erklärt.
Die Familientradition
hat am Ende Recht behalten.
Hinterbliebene nützen so was aus!
Wir wollen den Toten
vor den Hinterbliebenen schützen.
Das ist nötig.
Dringend.
Was mit dem Eigentum geschieht,
das regeln die Menschen seit Jahrtausenden
in Testamenten und Erbverträgen.
Aber um den letzten,
den bleibenden Eindruck,
kümmern sich nur wenige.
Selbstmörder
haben da mit ihren Abschiedsbriefen
immer schon
moderner gedacht.
aus: Station 11
Patient Andreas unterhält sich mit der Krankenschwester
Susanne:
Andreas: Und am Wochenende?
Susanne: Wenn's geht, fahre ich heim und mach etwas mit meinem
Freund. Entweder wir gehen irgendwohin zum Tanzen, mit unserer Clique
oder so, oder ins Kino oder Kegeln. Manchmal begleite ich ihn auch
zu Handballturnieren. Und dann muss ich natürlich auch beim
Vater in der Bäckerei helfen. Verkauf, hauptsächlich.
Seit meine Mutter Probleme mit dem Laufen hat, besonders.
Mein Vater will immer, dass ich mal die Bäckerei übernehme.
Möglichst einen Bäckergesellen heirate und dann mit ihm
die Bäckerei weiterführe. Aber dazu habe ich keine Lust.
Bäckerei ist nicht mein Geschäft. Mein Freund möchte
mal eine Software-Firma aufmachen. Momentan ist er ja bei der Bundeswehr,
aber wenn er rauskommt, möchte er eine Software-Firma gründen
und Programme schreiben. Und, wenn das nicht klappt, dann leitet
er ein Autohaus. Automechaniker macht er jetzt schon nebenbei. Aber
anstreben tut er natürlich die Programmier-Firma. Und ich würde
dann die Buchhaltung führen. Weil ewig möchte ich da herin
nicht schuften. Lieber mach ich die Buchhaltung. (Kleine Pause.
Überwiegend im Plauderton, aber mit etwas Leidenschaft.) Manchmal
überlege ich auch, ob ich das Abitur nachholen soll; oder das
Fachabitur. Im Abendgymnasium zum Beispiel. Dann könnte ich
vielleicht Tiermedizin studieren. Oder zumindest Physiotherapeutin.
(Etwas betrübt.) Aber wegen meiner blöden Arbeitszeiten
ist das schwierig mit dem Abendgymnasium. - Naja, mal schaun.
aus: Luzifers Nöte
Der Künstler Blume will König Luzifer zur Demokratie
bewegen:
Blume: Erlauben Sie mir folgenden Vergleich, Herr Luzifer:
Sie sind wie ein Kalb, zu dem jeden Tag der Bauer kommt, um ihm
Futter zu bringen. Da dies bisher immer so geschah und sich das
Kalb nichts anderes vorstellen kann, glaubt es fest daran, dass
weiterhin jeden Tag der Bauer mit dem Futter kommt. Doch eines Tages
kommt der Metzger!
Luzifer: Ihr Gleichnis ist ein Blödsinn. Zum Kalb kommt
der Metzger, weil es ein Kalb ist. Zu mir nicht!
Blume: Über Sie kommt die Veränderung!
Luzifer: Nein!
Blume: Also denken Sie wie das Kalb: Ein Tier weiß
nicht, dass eine gewohnte Folge überraschend aufhören
kann. - Sie könnten das in Ihr Denken mit einbeziehen. Und
wenn Sie das täten, dann wären Sie wohl auch etwas weniger
starrköpfig. Erinnern Sie sich an Gorbatschow. Er hat damals
die Zeichen der Zeit erkannt und den Willen des Volkes ernst genommen.
Und er wurde zum hoch geachteten Politiker. Erinnern Sie sich an
Ceaucescu und Milosevic. Sie waren Kälber. Langer Rede kurzer
Sinn: Herr Luzifer, ich rate Ihnen, Ihre Monarchie durch die Demokratie
zu ersetzen. So haben Sie die Chance, ein Präsident zu werden
- oder zumindest ein gefeierter Reformer. Seien Sie schneller als
die Revolution!
Luzifer schaut hilflos: Ich weiß jetzt nicht, was ich
sagen soll...
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