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Netzwerk > Künstlerinnen und Künstler stellen sich vor

Rolf Stemmle
schreibt Theaterstücke

Bertastr. 8
93049 Regensburg
Tel.: 0941/22878
eMail: Rolf.Stemmle@t-online.de
Internet: www.Rolf-Stemmle.de

 

 

Was mir wichtig ist

Am Anfang steht immer die Erwartung, dass ich mir durch das Erfinden und Niederschreiben einer neuen Komödie selbst großen Spaß verschaffe. Nichts ist unterhaltsamer, als Handlungsstränge zu verstricken und zu entwirren sowie Personen zu kreieren. Rasch kommt aber das Interesse am Stoff hinzu. Immer wieder beschäftigt mich die Frage, wie das wunderschöne und grausame Leben funktioniert und wo es hinsteuert; im Einzelnen, in der zwischenmenschlichen Beziehung und in der Gesellschaft. Heraus kommen dann mal lyrisch-leise Bühnen-Portraits, mal satirisch-kräftige Grotesken. Gemeinsam ist allen, was mir wichtig ist: eine optimistische Grundstimmung und ein verständnisvolles Augenzwinkern.

Neuerscheinung: Der Mensch im Tier

Arbeitsbeispiele:

aus: Siegfried und das klügere Geschlecht
Siegfried wohnt bei seinem Freund Haiko, weil ihn seine Freundin Franziska rausgeworfen hat. Hannelore ist die Freundin davor.
Siegfried: Sag mal, ich meine es nur gut: Müsstest du nicht allmählich gehn?
Haiko: Was ist denn los?
Siegfried vorsichtig: Es könnte nämlich sein, dass Hannelore vorbei kommt.
Haiko entsetzt, unterbricht das Essen: Aha, so ist das! Hannelore! Ich dachte, du hättest mit ihr abgeschlossen!
Siegfried: Habe ich ja auch!
Haiko: Und was will sie dann schon wieder hier? Die hat nicht abgeschlossen, und sie läuft dir nach!
Siegried: Ich habe sie eingeladen - aus rein platonischen Gründen.
Haiko: Du glaubst also immer noch an das Märchen von der Freundschaft zwischen Mann und Frau!
Siegfried: Wirklich! Ich habe keine Absichten!
Haiko: Dann kommt sie in ihrer Eigenschaft als Psychotante.
Siegfried: Ich will mit ihr was ausdiskutieren. Und sie ist keine Psychotante, sie hat nur als Anwaltsgehilfin tiefe Einblicke in menschliche Abgründe.
Haiko grundsätzlich: Siegfried, du weißt warum ich dich hier bei mir aufgenommen habe?!
Siegfried kleinlaut: Ja.
Haiko: Du weißt, was du mir am Abend, da du mit deinen Koffern hier aufgetaucht bist, versprochen hast?!
Siegfried kleinlaut: Ja.
Haiko: Wir haben ausgemacht, dass du ab jetzt ein harter Bursche wirst! Dass du keiner Frau nachweinst, vorerst keine feste Beziehung eingehst und möglichst viele Abenteuer durchziehst.
Siegfried: Aber so bin ich nicht! Ich achte die Frauen!
Haiko aufgebracht: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? (Deutet Kopulation an.) Das sollst du mit ihnen machen! Du sollst keine psychologischen Gespräche führen, und du sollst auch nicht versuchen, sie zu verstehen! Vögeln sollst du sie! Sonst nichts! Klar?
Siegfried: Ganz ehrlich, Haiko, du bist ein richtiges Frauen-Arschloch. Aus der Perspektive einer Frau bist du ein Arschloch - nur haben manche Frauen eine eingeschränkte Sicht, und darauf basiert dein Erfolg!
Haiko: Und du, Siegfried, du bist ein Frauen-Idiot. Aber das merken die Frauen sofort! Außer Hannelore. Und Franziska - die hat etwas länger gebraucht, bis sie dich rausgeworfen hat.
Siegfried: Die hat mich rausgeworfen, weil ich einmal im Leben ein Frauen-Arschloch war.
Haiko: Ha! Dass ich nicht lache! Der Seitensprung zurück zu Hannelore!
Siegfried: Ich wollte endlich mal wieder festen Boden unter den Füßen haben.
Haiko: Sehr heldenhaft! Wo ist da die Tat eines Frauen-Arschloches? Du warst eine Memme! Ein Feigling! Du warst ein Frauen-Idiot!
 


aus: Zeitgenossen
Ludwig erklärt seine Philosophie von der Wichtigkeit des letzten Eindrucks

Vor vielen Jahren starb
die Mutter eines alten Freundes -
aus einer alt-ehrwürdigen Familie.
Die Frau war bekannt
für ihre Lebensfreude,
für ihr freies Denken
und für diverse Liebeleien.
Die letzte Rede hielt ihr Bruder,
ein braver, weicher, makelloser Mann.
Er nützte die Gelegenheit,
die Schwester postum glatt zu hobeln;
so glatt,
dass sie die übrigen Verwandten
im Magen der Familientradition
bequem verdauen konnten.
Nach der Rede erklang der Lieblingsmarsch des Bruders,
der Grabstein wurde grau und bieder.
Es ist,
als hätte sie nie
ihr eigenes Leben gehabt:
die Lebensfreude abgesenkt,
das freie Denken eingesperrt,
die Amouren zu Fehltritten erklärt.
Die Familientradition
hat am Ende Recht behalten.
Hinterbliebene nützen so was aus!
Wir wollen den Toten
vor den Hinterbliebenen schützen.
Das ist nötig.
Dringend.
Was mit dem Eigentum geschieht,
das regeln die Menschen seit Jahrtausenden
in Testamenten und Erbverträgen.
Aber um den letzten,
den bleibenden Eindruck,
kümmern sich nur wenige.
Selbstmörder
haben da mit ihren Abschiedsbriefen
immer schon
moderner gedacht.



aus: Station 11
Patient Andreas unterhält sich mit der Krankenschwester Susanne:

Andreas: Und am Wochenende?
Susanne: Wenn's geht, fahre ich heim und mach etwas mit meinem Freund. Entweder wir gehen irgendwohin zum Tanzen, mit unserer Clique oder so, oder ins Kino oder Kegeln. Manchmal begleite ich ihn auch zu Handballturnieren. Und dann muss ich natürlich auch beim Vater in der Bäckerei helfen. Verkauf, hauptsächlich. Seit meine Mutter Probleme mit dem Laufen hat, besonders.
Mein Vater will immer, dass ich mal die Bäckerei übernehme. Möglichst einen Bäckergesellen heirate und dann mit ihm die Bäckerei weiterführe. Aber dazu habe ich keine Lust. Bäckerei ist nicht mein Geschäft. Mein Freund möchte mal eine Software-Firma aufmachen. Momentan ist er ja bei der Bundeswehr, aber wenn er rauskommt, möchte er eine Software-Firma gründen und Programme schreiben. Und, wenn das nicht klappt, dann leitet er ein Autohaus. Automechaniker macht er jetzt schon nebenbei. Aber anstreben tut er natürlich die Programmier-Firma. Und ich würde dann die Buchhaltung führen. Weil ewig möchte ich da herin nicht schuften. Lieber mach ich die Buchhaltung. (Kleine Pause. Überwiegend im Plauderton, aber mit etwas Leidenschaft.) Manchmal überlege ich auch, ob ich das Abitur nachholen soll; oder das Fachabitur. Im Abendgymnasium zum Beispiel. Dann könnte ich vielleicht Tiermedizin studieren. Oder zumindest Physiotherapeutin. (Etwas betrübt.) Aber wegen meiner blöden Arbeitszeiten ist das schwierig mit dem Abendgymnasium. - Naja, mal schaun.



aus: Luzifers Nöte
Der Künstler Blume will König Luzifer zur Demokratie bewegen:

Blume: Erlauben Sie mir folgenden Vergleich, Herr Luzifer: Sie sind wie ein Kalb, zu dem jeden Tag der Bauer kommt, um ihm Futter zu bringen. Da dies bisher immer so geschah und sich das Kalb nichts anderes vorstellen kann, glaubt es fest daran, dass weiterhin jeden Tag der Bauer mit dem Futter kommt. Doch eines Tages kommt der Metzger!
Luzifer: Ihr Gleichnis ist ein Blödsinn. Zum Kalb kommt der Metzger, weil es ein Kalb ist. Zu mir nicht!
Blume: Über Sie kommt die Veränderung!
Luzifer: Nein!
Blume: Also denken Sie wie das Kalb: Ein Tier weiß nicht, dass eine gewohnte Folge überraschend aufhören kann. - Sie könnten das in Ihr Denken mit einbeziehen. Und wenn Sie das täten, dann wären Sie wohl auch etwas weniger starrköpfig. Erinnern Sie sich an Gorbatschow. Er hat damals die Zeichen der Zeit erkannt und den Willen des Volkes ernst genommen. Und er wurde zum hoch geachteten Politiker. Erinnern Sie sich an Ceaucescu und Milosevic. Sie waren Kälber. Langer Rede kurzer Sinn: Herr Luzifer, ich rate Ihnen, Ihre Monarchie durch die Demokratie zu ersetzen. So haben Sie die Chance, ein Präsident zu werden - oder zumindest ein gefeierter Reformer. Seien Sie schneller als die Revolution!
Luzifer schaut hilflos: Ich weiß jetzt nicht, was ich sagen soll...


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