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Zur Geschichte
(aus der Gütenbacher
Gästeinformation)
Wandert man von Gütenbach
oder Neukirch über den Oberfallengrund Ins Wildgutachtal, dann
trifft man auf eine Wegemarkierung mit der Aufschrift "Balzer
Herrgott". Folgt man diesem Wegezeichen, so kommt man nach
etwa einer Viertelstunde zu einer großen Buche. In den Stamm
dieser Buche ist ein steinerner Christuskörper fast völlig
eingewachsen. Dies Ist der Balzer Herrgott. Er ist das Ziel vieler
Wanderer und Spaziergänger. Fast alle stehend staunend vor
der schlichten und In Ihrer Art ergreifenden Gottesfigur. Für
viele ist e ein stiller Wallfahrtsort. Jahr für Jahr suchen
Sie den Herrgott In der Buche auf, um andächtig vor ihm zu
verwellen und ein kurzes Gebet zu sprechen. Ab und zu bringen sie
Blumen mit und legen sie nieder oder befestigen sie an dem Stamm.
Viele Sagen und Geschichten ranken
sich um den Balzer Herrgott. Seine Entstehung ist voller Rätsel
und Widersprüche, die wohl kaum ganz gelöst werden können.
Die alten Leute, die seine Geschichte kannten oder mehr von ihr
wussten, als wir Heutigen, sind gestorben. Da für sie die Entstehung
fast selbstverständlich war, schenkten sie dem in den Baum
eingewachsenen Herrgott keine besondere Bedeutung. Ja, manchmal
machten sie sich über die Besucher lustig, die etwas bestaunten,
das für sie, als Nachbar der Buche kein Geheimnis war.
Schon die Herkunft des aus hell
gelblich-ockerfarbenem Sandstein geschaffenen Christuskörper
gibt Stoff zum Erzählen. Hugenotten hätten ihn auf der
Flucht aus Frankreich an dem stellen Hang liegengelassen, sagen
die einen. Nein, sagen andere, es seien Royalisten gewesen, die
während der französischen Revolution aus Frankreich geflohen
seien. Eine Bäuerin erzählte, er sei von einem Kloster
während der Kriegszeiten hergebracht worden, um ihn vor der
Zerstörung zu schützen. Irgendwo ist zu lesen, dass er
um 1800 herum aufgrund eines Gelübdes von einem Bauer namens
Balzer aus der Glashütte erstellt worden sei. Dieser Bauer
sei dann in die "Neue Welt" ausgewandert. Es sei das Hofkreuz
vom Winkelhof gewesen, sagt dieser, jener aber behauptet , es sei
auf dem Sattelhof gestanden.
Das Kreuz, das den Herrgott trug,
sei aus Eisen geschmiedet gewesen wird erzählt. Andere sagen,
der Herrgott hing an einem Holzkreuz; wieder andere behaupten, das
Kreuz sei wie der Herrgott aus Stein gewesen.
Vom Herrgott wird gesagt, dass
er ein spätgotisches Werk sei und früher über der
Dornenkrone einen Strahlenkranz aus Blech getragen habe. Die drei
kleinen, viereckigen Vertiefungen, die zu beiden Seiten und auf
dem Scheitel des Hauptes eingehauen sind, würden darauf hinweisen.
Die Arme und Beine seien von einem Jäger aus Wut über
entgangene Beute abgeschossen worden, steht in einem Zeitungsbericht;
in einem anderen ist zu lesen, dass das Vieh dem auf dem Boden liegenden
Herrgott die Arme und Beine abgetreten habe.
Der Herrgott sei dann an den Stamm
der Buche gelehnt worden, dort angewachsen und mit ihm hochgewachsen.
Das ist nicht möglich, denn ein Baum wächst am Dolden
in die Höhe und am Stamm In die Breite. Der Herrgott war schon
immer so hoch am Baum, von der Wurzel gemessen sind es 1,90 - 2,00
Meter.
Jedes Jahr schob sich die Rinde
der Buche ein Stückchen weiter über den steinernen Herrgott.
1986 war sein Verschwinden durch Einwachsen in die Buche absehbar.
Es musste etwas getan werden. Man beschloss, den Herrgott im begrenzten
Rahmen frei zu schneiden. Gegen Ende des Monats November 1986 machte
sich unser Holzschnitzer Josef Rombach daran, die Umwallung zu beseitigen.
Zwei Baumspezialisten von der Insel Mainau versiegelten das freigelegte
Holz gegen Pilze und Feuchtigkeit und schufen eine künstliche
Rinde. Die Freilegung ist gut gelungen und es besteht die Hoffnung,
dass der Balzer Herrgott oder wie ihn die Alten nannten, der Winkelherrgott,
uns noch lange erhalten bleibt.
Der Balzer Herrgott -
ein Gespräch (von Angelika Wildegger)
Gleich beim ersten Mal hast du mich berührt.
Ich habe es gespürt, aber noch lange ahnte ich nicht, dass
es mehr als Berührung war. Es hat mir auf Anhieb gefallen,
wie dieser Baum dich mehr und mehr umschloss.
Ein verrücktes Bild, das in mir viele Fragen aufwarf.
Und diese Fragen trieben mich wieder und wieder zu diesem Bild,
nein, wohl weniger zu dem Bild als mehr zu Dir.
Irgendwann werde ich dir hautnah begegnen, werde ich die Baumrinde
abtasten, den Raum einatmen, von mir Besitz ergreifen lassen.
Es ist seltsam, der Baum bemächtigt sich Deiner, Herr. Ganz
und gar umschließt er dich, lässt dich fast unsichtbar
werden. Er umringt Dich. Du verschwindest in seinem Inneren.
Aber - verschwindest du wirklich? Geschieht nicht eigentlich viel
mehr? Oder gar eigentlich ganz Anderes? Bemächtigt sich der
Baum Deiner oder Du des Baumes?
Ich glaube, dass sich in diesem Fall äußeres und inneres
Geschehen umgekehrt zueinander verhalten. Äußerlich scheint
es, als bemächtige sich der Baum tatsächlich Deiner. Aber
innerlich, ich spüre es ganz deutlich, bist Du es, der da die
Macht hat, Du bemächtigst sich seiner auf Deine ganz eigene
Art.
Du lässt es geschehen, Du gibst dich ganz dem Wesen des Baumes
hin. Der Baum muss wachsen und Du lässt ihn wachsen, selbst
wenn du dabei zu verschwinden scheinst. Aber Du bleibst bei ihm
und lässt Dich in seinem Wachstum in seinem Innersten, seinem
Herzen nieder. In seinem Wachstum wachst ihr zusammen und werdet
eins. Du wohnst mehr und mehr in ihm.
Mein Gott, wie viele Zeichen Du uns doch gibst. Ich danke dir dafür
und ich bin mir gewiss, dass du auch bei mir in meinem Wachstum
bist und dich in meinem Herzen verwurzelst.
(Angelika Wildegger - www.himmlischefundstuecke.de
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