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Der Balzer Herrgott



 

siehe auch: Der Balzer Herrgott - ein Gespräch (von Angelika Wildegger)

Wenn Zeichen die Sprache der Liebe sprechen ...

Zur Geschichte

(aus der Gütenbacher Gästeinformation)

Wandert man von Gütenbach oder Neukirch über den Oberfallengrund Ins Wildgutachtal, dann trifft man auf eine Wegemarkierung mit der Aufschrift "Balzer Herrgott". Folgt man diesem Wegezeichen, so kommt man nach etwa einer Viertelstunde zu einer großen Buche. In den Stamm dieser Buche ist ein steinerner Christuskörper fast völlig eingewachsen. Dies Ist der Balzer Herrgott. Er ist das Ziel vieler Wanderer und Spaziergänger. Fast alle stehend staunend vor der schlichten und In Ihrer Art ergreifenden Gottesfigur. Für viele ist e ein stiller Wallfahrtsort. Jahr für Jahr suchen Sie den Herrgott In der Buche auf, um andächtig vor ihm zu verwellen und ein kurzes Gebet zu sprechen. Ab und zu bringen sie Blumen mit und legen sie nieder oder befestigen sie an dem Stamm.

 

Viele Sagen und Geschichten ranken sich um den Balzer Herrgott. Seine Entstehung ist voller Rätsel und Widersprüche, die wohl kaum ganz gelöst werden können. Die alten Leute, die seine Geschichte kannten oder mehr von ihr wussten, als wir Heutigen, sind gestorben. Da für sie die Entstehung fast selbstverständlich war, schenkten sie dem in den Baum eingewachsenen Herrgott keine besondere Bedeutung. Ja, manchmal machten sie sich über die Besucher lustig, die etwas bestaunten, das für sie, als Nachbar der Buche kein Geheimnis war.

Schon die Herkunft des aus hell gelblich-ockerfarbenem Sandstein geschaffenen Christuskörper gibt Stoff zum Erzählen. Hugenotten hätten ihn auf der Flucht aus Frankreich an dem stellen Hang liegengelassen, sagen die einen. Nein, sagen andere, es seien Royalisten gewesen, die während der französischen Revolution aus Frankreich geflohen seien. Eine Bäuerin erzählte, er sei von einem Kloster während der Kriegszeiten hergebracht worden, um ihn vor der Zerstörung zu schützen. Irgendwo ist zu lesen, dass er um 1800 herum aufgrund eines Gelübdes von einem Bauer namens Balzer aus der Glashütte erstellt worden sei. Dieser Bauer sei dann in die "Neue Welt" ausgewandert. Es sei das Hofkreuz vom Winkelhof gewesen, sagt dieser, jener aber behauptet , es sei auf dem Sattelhof gestanden.

Das Kreuz, das den Herrgott trug, sei aus Eisen geschmiedet gewesen wird erzählt. Andere sagen, der Herrgott hing an einem Holzkreuz; wieder andere behaupten, das Kreuz sei wie der Herrgott aus Stein gewesen.

Vom Herrgott wird gesagt, dass er ein spätgotisches Werk sei und früher über der Dornenkrone einen Strahlenkranz aus Blech getragen habe. Die drei kleinen, viereckigen Vertiefungen, die zu beiden Seiten und auf dem Scheitel des Hauptes eingehauen sind, würden darauf hinweisen.
Die Arme und Beine seien von einem Jäger aus Wut über entgangene Beute abgeschossen worden, steht in einem Zeitungsbericht; in einem anderen ist zu lesen, dass das Vieh dem auf dem Boden liegenden Herrgott die Arme und Beine abgetreten habe.

Der Herrgott sei dann an den Stamm der Buche gelehnt worden, dort angewachsen und mit ihm hochgewachsen. Das ist nicht möglich, denn ein Baum wächst am Dolden in die Höhe und am Stamm In die Breite. Der Herrgott war schon immer so hoch am Baum, von der Wurzel gemessen sind es 1,90 - 2,00 Meter.

Jedes Jahr schob sich die Rinde der Buche ein Stückchen weiter über den steinernen Herrgott. 1986 war sein Verschwinden durch Einwachsen in die Buche absehbar. Es musste etwas getan werden. Man beschloss, den Herrgott im begrenzten Rahmen frei zu schneiden. Gegen Ende des Monats November 1986 machte sich unser Holzschnitzer Josef Rombach daran, die Umwallung zu beseitigen. Zwei Baumspezialisten von der Insel Mainau versiegelten das freigelegte Holz gegen Pilze und Feuchtigkeit und schufen eine künstliche Rinde. Die Freilegung ist gut gelungen und es besteht die Hoffnung, dass der Balzer Herrgott oder wie ihn die Alten nannten, der Winkelherrgott, uns noch lange erhalten bleibt.

 

Der Balzer Herrgott - ein Gespräch (von Angelika Wildegger)

Gleich beim ersten Mal hast du mich berührt.
Ich habe es gespürt, aber noch lange ahnte ich nicht, dass es mehr als Berührung war. Es hat mir auf Anhieb gefallen, wie dieser Baum dich mehr und mehr umschloss.
Ein verrücktes Bild, das in mir viele Fragen aufwarf.
Und diese Fragen trieben mich wieder und wieder zu diesem Bild, nein, wohl weniger zu dem Bild als mehr zu Dir.

Irgendwann werde ich dir hautnah begegnen, werde ich die Baumrinde abtasten, den Raum einatmen, von mir Besitz ergreifen lassen.

Es ist seltsam, der Baum bemächtigt sich Deiner, Herr. Ganz und gar umschließt er dich, lässt dich fast unsichtbar werden. Er umringt Dich. Du verschwindest in seinem Inneren.

Aber - verschwindest du wirklich? Geschieht nicht eigentlich viel mehr? Oder gar eigentlich ganz Anderes? Bemächtigt sich der Baum Deiner oder Du des Baumes?

Ich glaube, dass sich in diesem Fall äußeres und inneres Geschehen umgekehrt zueinander verhalten. Äußerlich scheint es, als bemächtige sich der Baum tatsächlich Deiner. Aber innerlich, ich spüre es ganz deutlich, bist Du es, der da die Macht hat, Du bemächtigst sich seiner auf Deine ganz eigene Art.

Du lässt es geschehen, Du gibst dich ganz dem Wesen des Baumes hin. Der Baum muss wachsen und Du lässt ihn wachsen, selbst wenn du dabei zu verschwinden scheinst. Aber Du bleibst bei ihm und lässt Dich in seinem Wachstum in seinem Innersten, seinem Herzen nieder. In seinem Wachstum wachst ihr zusammen und werdet eins. Du wohnst mehr und mehr in ihm.

Mein Gott, wie viele Zeichen Du uns doch gibst. Ich danke dir dafür und ich bin mir gewiss, dass du auch bei mir in meinem Wachstum bist und dich in meinem Herzen verwurzelst.

(Angelika Wildegger - www.himmlischefundstuecke.de )

 


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